Jägerinnen, wie selten sind sie wirklich?

Anlässlich des Weltfrauentags bietet sich an einmal einen Blick auf den weiblichen Anteil der Jägerschaft zu werden. Im Jagdjahr 2015/2016 haben in ganz Deutschland ca. 380 000 Personen einen Jagdschein gelöst. Eine Aufschlüsselung nach Geschlecht findet sich auf der Statistikseite des DJV zunächst nicht, auf wikipedia wird von einem Frauenanteil um die 7 % berichtet.

Beispielhaft kann ich aus meinem Kurs zur Vorbereitung auf die Jägerprüfung berichten, dass bei 14 Teilnehmern drei weiblich waren, also grob 20 % Frauenanteil. Diese Beobachtung deckt sich mit Angaben auf der Seite des LJV Hessen, dort wird ebenfalls eine Quote von 20 % Jagdscheinanwärterinnen in den letzen Jahren angegeben. Unter den aktiven Jägern gibt es vermutlich deutlich weniger Frauen. Ich komme mir auf Gesellschaftsjagden tatsächlich immer recht exotisch vor. In meinem direkten Umfeld gibt es allerdings einige jagende Frauen und nicht nur Hundeführerinnen, sondern auch Frauen die im jagdlichen Schießen sehr erfolgreich sind. Was mich zu dem Text auf der Seite des LJV führt, dort steht, dass Frauen häufig über die Hundearbeit zum Jagdschein kommen. Liest man auf der Seite des DJV nach, stellt sich heraus, dass das Argument Hundearbeit erst auf Platz vier der Gründe für einen Jagdschein landet:

„Frauen und Männer sind sich einig über ihre Motive auf die Jagd zu gehen: Sie sind gerne in der Natur, sagten über 85 Prozent der Befragten. Angewandter Naturschutz und Freude an der Jagd sind etwa für drei Viertel der Befragten auf Platz zwei und drei. Der feine Unterschied der Geschlechter zeigt sich auf Platz vier der Motive: Männer gaben hier an, sich für die Jagd zu interessieren, weil sie gerne Wild essen (57 Prozent). Frauen hingegen kommen häufig über die Hundeausbildung zur Jagd (62 Prozent).“ (DJV Jungjägerbefragung)

Das klingt für mich jetzt nicht danach, als würden Frauen die Jägerprüfung aus anderen Gründen ablegen als Männer. Wieso werden marginale Unterschiede so betont? Frauen jagen weitgehend aus den gleichen Gründen wie Männer.

Wir jagenden Frauen sind (noch) eher selten, doch es ist eine Trendwende absehbar: Immer mehr Frauen legen die Jägerprüfung ab. Das heißt allerdings nicht, dass diese Frauen auch aktiv auf die Jagd gehen. Aus meinem Kurs gehen tatsächlich alle Frauen auch aktiv auf die Jagd und einen Jagdhund hat sich ausgerechnet einer der Männer angeschafft.

Quelle: Deutscher Jagdverband (DJV) Statistiken, LJV-Hessen

Das Wildtier des Jahres 2017– Die Haselmaus

Musc avel BjoernSchulzDie Deutsche Wildtier Stiftung hat das Wildtier des Jahres ausgerufen, es ist die Haselmaus (Muscardinus avellanarius). Sofort schoss mir durch den Kopf, was wir uns im Jägerkurs zur Haselmaus merken sollten: „Die Haselmaus ist ein echter Winterschläfer und eigentlich überhaupt keine Maus, sondern ein sogenannter Bilch.“ Was zeichnet nun einen echten Winterschläfer aus? Ein echter Winterschläfer hält keine Winterruhe aus der er aufwachen kann um zu fressen, wie beispielsweise das Eichhörnchen, sondern er verschläft wirklich den ganzen Winter mit einem stark verlangsamten Stoffwechsel. Haselmäuse schlafen so tief, dass sie sogar hin und wieder im Schlaf von Wildschweinen gefressen werden. Allerdings ist so eine Haselmaus nur ein winziger Happen, denn sie wiegt lediglich 15 bis 30 g.

Haselmäuse sind nachtaktiv und verschlafen den Tag in ihrem Nest, dem sogenannten Kobel. Meist bauen sie ihren kugelförmigen Kobel in Bäume und Sträucher, manchmal wohnen sie aber auch in Nistkästen. Ihren Winterschlaf halten Haselmäuse natürlich auch schön zusammen gerollt in ihrem warmen Kobel.

Während ihrer wachen Zeit von April bis Oktober klettern die kleinen Nager sehr geschickt in Bäumen und Sträuchern umher. Sie ernähren sich von Pollen, Nektar, Beeren, Früchten und Nüssen. Moment, nicht ausschließlich, Haselmäuse sind keineswegs Vegetarier, sie futtern auch mit Begeisterung Insekten.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage wie man herausfinden kann, ob im eigenen Garten, vielleicht im Haselstrauch, auch eine Haselmaus wohnt. Eine einfache Möglichkeit ist es nach Fraßspuren zu schauen, denn Haselmäuse fressen ein charakteristisches Muster in Haselnüsse hinein – ein kreisrundes Loch. Wer Haselnüsse mit runden Löchern findet, der kann sicher sein, da war eine Haselmaus am Werk.

Die größte Bedrohung für den Haselmausbestand stellen übrigens nicht ihre Fressfeinde (Marder, Fuchs, Eule oder Wildschwein) dar, sondern der Mensch, denn es fehlt an geeignetem Lebensraum. Im eigenen Garten kann man leicht etwas für die kleinen Kobolde tun, indem man heimische Sträucher und Bäume pflanzt. Besonders Gärten mit Obstbäumen, Nusssträuchern und Beeren tragenden Gehölzen sind für Haselmäuse attraktiv. Über naturnahe Gärten mit heimischer Bepflanzung freuen sich nicht nur Haselmäuse, sondern auch Singvögel, Igel und zahlreiche Insekten.

Bildquelle: Björn Schulz via Wikimedia Commons

Tote Tiere im Internet

Ich habe, schon vor einiger Zeit, meinen ersten Bock geschossen. Natürlich habe ich mich riesig über den Jagderfolg gefreut und wollte sofort ein Bild von Bock und mir und Hund und überhaupt hier veröffentlichen. Tja, und dann habe ich das einer Jagdkollegin erzählt und die schaute mich mit großen Augen an und sagte: „Du darfst auf keinen Fall ein Foto von einem toten Tier im Internet veröffentlichen, das macht man nicht. Stell dir mal den Shitstorm vor, der arme Rehbock und dann sieht man ja auch den Einschuss. Du solltest immer nur Fotos von lebendigem Wild posten. Höchstens noch von Wildgerichten, aber niemals ein Foto mit dir und Waffe und erlegtem Wild – wie martialisch.“ Das hat mich nachdenklich gemacht.

img_2150Auf Twitter folge ich einigen Briten und die zeigen ihre Jagdstrecken stolz und mit tollen, geschmackvollen Fotos. Warum ist es für Briten so selbstverständlich ihre Jagdbeute zu zeigen und in Deutschland offenbar so verpönt? Wer sich für die Jagd interessiert sollte doch eigentlich mit Fotos von erlegtem Wild umgehen können – ich spreche jetzt nicht von blutigen Grusel-Szenen, sondern von respektvollen Erinnerungsbilder an das Jagderlebnis. Die meisten Jäger machen regelmäßig solche Bilder für sich und zum Vorzeigen unter Jagdkollegen, nur landen diese Bilder für gewöhnlich nicht in sozialen Medien (Twitter, Facebook) oder in Blogs. Nimmt die Jägerschaft, um nicht als fiese Killer dazustehen, schon vorsorglich Rücksicht? Dabei ist es nicht von der Hand zu weisen, dass wir Tiere töten. Nicht nur zur Gewinnung eines wertvollen Lebensmittels, sondern auch als aktiver Naturschutz.

Bisher konnte ich mich noch nicht dazu durchringen ein Bild von „meinem Bock“ hier zu posten. Stattdessen illustriert ein Bild ganz ohne tote Tiere, aber mit viel fast totem Laub, meinen Beitrag.

Die Prinzessin unter den Blumen – Die Gemeine Wegwarte

Cichorium intybu

Fundort: am Wegrand in sonniger Lage

Fundzeit: Mitte Juli

Die gemeine Wegwarte, auch unter dem Namen Zichorie bekannt, findet man an den Wegrändern in Mitteleuropa sehr häufig. Sie ist eine Pionierpflanze, das heißt dort wo noch fast nichts wachsen kann, ist die Wegwarte in der Lage zu wurzeln und sich zu verbreiten. Interessanterweise ist die Wegwarte die Mutter des Chicorée und des Radicchio. Die Wurzeln der Wurzelzichorie wurde als Kaffee-Ersatz geröstet, der sogenannte Muckefuck war geboren. Seit dem Mittelalter werden der Wegwarte selbst magische Kräfte zugeschrieben. Angeblich soll man einen Liebeszauber mit ihr ausführen können. Nach einer alten Sage ist nämlich die Wegwarte gar keine Blume, sondern eine verwunschene Prinzessin mit blauen Augen, die darauf wartete, dass ihr Prinz von seinem Kreuzzug zurückkehrt.

Jungjägersorgen

Kanin_Jul15Kaum hat man den Jagdschein, muss man furchtbar viel erledigen und besorgen. Ein Schrank und Waffen wollen ausgesucht und gekauft werden, es fehlt an Zubehör und Kleinkram. Stell dir vor, das erste was ich gekauft habe war eine Astschere. Manche Leitern und Sitze müssen erst frei geschnitten werden, gerade in diesem Sommer, der so feucht und warm ist, dass die Brombeeren wachsen wie Gift.

Alleine die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Schrank war nicht einfach. Er sollte nicht zu klein sein, denn ich wollte so schnell keinen neuen Schrank kaufen müssen, und in das Innenfach soll auch genug Munition passen. Gleichzeitig nicht zu groß, denn irgendwo muss das Monstrum ja auch stehen. Natürlich stellt sich auch die Frage nach der Sicherheitsstufe. Soll es ein toller (schwerer und teuerer) Nuller-Schrank werden, oder tut es auch ein einfacher Jägerschrank, also ein Schrank der Sicherheitsstufe A mit B Innenfach für Munition und gegebenenfalls Kurzwaffen. Vermutlich muss ich den Schrank irgendwann einmal umziehen, also habe ich mich für einen Jägerschrank mit Platz für 5 Langwaffen entschieden. Der sollte erstmal reichen. Unter den vielen Anbietern hat mich ein bekannter Versandhändler mit F überzeugt, dummerweise sind bei denen die Lieferzeiten recht lang. Gut, dass ich das vorher nicht wusste.

Jetzt will der Schrank „nur“ noch gefüllt werden. Glücklich ist, wer schon einen größeren Bekanntenkreis hat und so an Gebrauchtwaffen kommen kann. Neue Waffen sind nämlich ganz furchtbar teuer und die Optik erst. Tatsächlich fand sich für mich eine Repetierbüchse in 7×64 im Bekanntenkreis. Allerdings muss ich noch Munition dazu besorgen und die Waffe einschießen. Und passendes Putzzeug und eine Pufferpatrone habe ich auch noch nicht. Du siehst, da kommt einiges zusammen. Außerdem braucht man ein passendes Futteral mit Zahlenschloss um die Waffe nicht zugriffsbereit transportieren zu können.

Natürlich ist das alles jammern auf hohem Niveau, wenn man sich überlegt, dass ich schon eine Jagdgelegenheit habe und mein Lehrmeister sich wirklich phantastisch um mich kümmert und hilft wo er kann. Trotzdem bin ich froh, wenn ich eine einigermaßen vollständige Ausrüstung zusammen habe und es endlich richtig los gehen kann.

Jägerprüfung bestanden

Ich habe es tatsächlich bestanden, das grüne Abitur, wie es so schön heißt. Mit dem Bestehen der Jägerprüfung hat man aber mitnichten auch einen Jagdschein. Die Prüfung ist nur die Berechtigung zum Lösen des ersten Jagdscheins. Also stand ich nach der Prüfung mit dem Zeugnis in der Hand da und konnte mich nach all dem Stress irgendwie noch nicht so richtig freuen, denn einen Jagdschein hatte ich ja noch immer nicht. Die Freude kam erst am Tag nach der Prüfung, als ich auf der unteren Jagdbehörde meinen allerersten Jagdschein gelöst hatte. Mit dem grünen Heftchen in der Hand bin ich vor Freude fast zum Auto gehüpft statt gegangen.

Jetzt geht es aber mit dem Lernen übergangslos weiter, nur eben in der Praxis. Zum Glück habe ich die Möglichkeit einen erfahrenen Jäger zu begleiten, in einem Wald-Feld-Revier mit Wasser. Ich bin schon sehr gespannt was ich alles erleben werde. Natürlich höre ich jetzt nicht auf zu berichten, ich halte dich über Tiere und Pflanzen im Revier und Erlebnisse aus der Praxis auf dem Laufenden.

Schriftliche Prüfung

Vizsla_Mai16

Die schriftliche Prüfung ist geschafft. Ehrlich gesagt war ich an diesem Tag viel aufgeregter als ich es erwartet hatte. Mir war richtig schlecht. Im Grunde verlief die Prüfung dann nicht anders als erwartet – die Fragen waren fair und teilweise auch aus alten Prüfungen bekannt. Über manche Fragen habe ich mich natürlich trotzdem geärgert, also besser ich habe mich über mich selbst geärgert, weil ich die Fragen nicht beantworten konnte, obwohl ich wusste, dass eine solche Frage sehr wahrscheinlich dran kommen würde. Diese Themen werde ich mir für die mündlich/praktische Prüfung nochmal genau ansehen.

Im Sachgebiet 1 (Wildtierbiologie, Waldbau, etc.) gab es beispielsweise die Frage danach, wie man eine rote Ricke mit schwachen Kitz im November bewerten würde. Klar, das Stück hat noch nicht verfärbt und ist wohl in nicht allzu gutem Allgemeinzustand. Eine Entnahme habe ich allerdings nicht vorgeschlagen, obwohl das wohl richtig gewesen wäre.

Dagegen habe ich aus Sachgebiet 2 (Naturschutz, Jagdbetrieb etc.) nur in Erinnerung, dass ich wirklich froh war zu wissen wer so alles Insekten frisst. Das sind nämlich richtig viele Tiere, neben zahlreichen Vögeln auch Fledermäuse, Igel und Spitzmäuse. Natürlich auch einige Amphibien und Reptilien. Die von meinen Kollegen aus dem Kurs gefürchteten Fragen zum Thema Jagdhunde waren sehr entgegenkommend gestellt: Beispielsweise mussten Hunde einem zu ihrer Aufgabe passenden Revier zugeordnet werden. Wenn ich mich recht erinnere Pointer, Deutsch Drahthaar und Bayrischer Gebirgsschweißhund zu einem reinen Feldrevier, einem Wald-Feldrevier mit Wasser und einer waldreichen Gebirgsregion mit viel Rotwild.

Vor dem Sachgebiet 3 (Waffen, UVV etc.) hatte ich die meiste Angst. Glücklicherweise waren die meisten Fragen nicht schwierig. Das hätte für mich viel komplizierter werden können. Hier auch als Fazit: Für die mündliche Prüfung nochmal ordentlich nacharbeiten, vor allem Kaliber und Geschosstypen.

Am schwierigsten fand ich das Sachgebiet 4 (Recht), da muss ich wohl auch noch ein bisschen Zeit rein stecken. Besonders in die Aufgaben und Mitglieder der Jagdgenossenschaft und der Hegegemeinschaft. Besonders ärgerlich ist es, dass unsere Ausbilder uns immer wieder angehalten haben genau das gut zu lernen. Blöd, wenn ich das nicht ordentlich mache.

Das war die schriftliche Prüfung, jetzt könnte ich gedrückte Daumen für das Schießen und die mündlich/praktische Prüfung brauchen.